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Fokus: Feste feiern

Weihnachten in Trauer

Verstirbt ein Kind, sind Festtage für die Hinterbliebenen eine grosse Herausforderung. Wie soll man die besinnliche Zeit begehen, wenn einem die Person doch so sehr fehlt?

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Weihnachten in Trauer

Was kann Familien helfen, diese Tage zu bewältigen? Wir haben einige Anregungen zusammengestellt:

1. Weihnachtstage frühzeitig planen

Denken Sie frühzeitig darüber nach, wie und wo Sie die Weihnachtstage verbringen möchten. Sprechen Sie das Thema in Ihrer Familie an und holen Sie die Bedürfnisse jedes/r einzelnen (auch der Kinder) ab. Diese Fragen können Sie allenfalls klären:

  • Wo, wie und mit wem wollen wir die Festtage verbringen?
  • Halten wir an gewohnten Ritualen fest oder erfinden wir neue?
  • Dekorieren wir? Stellen wir ein Bäumchen auf?
  • Was macht uns Angst?
  • Gibt es Dinge, auf die wir uns freuen?

Besprechen Sie Ihre Pläne und Ideen für die Weihnachtszeit auch mit Ihrem nahen Umfeld. Nur wenn sie Bescheid wissen, können Freunde und Verwandte Ihre Wünsche respektieren und allenfalls auch an geplanten Ritualen teilnehmen – oder eben bewusst nicht.

Wichtig: Falls es an den Feiertagen doch ganz anders kommt als geplant, machen Sie sich oder anderen keine Vorwürfe. Die Feiertage sollen ohne Druck begangen werden können – es gibt dabei kein richtig oder falsch. Jede Familie darf ihren ganz persönlichen Umgang mit der eigenen Trauer finden, ganz besonders an Feiertagen.

2. Rituale können helfen

Rituale, schöne Gesten und symbolische Handlungen können helfen, die eigenen Gefühle zum Ausdruck zu bringen und Verstorbenen an Weihnachten zu gedenken. Oft ist dabei weniger mehr. Überfordern Sie sich und die Familie nicht. Manchmal hilft es auch, vertraute Rituale bewusst aufzugreifen.

3. Basteln für das verstorbene Kind und für die Hinterbliebenen

Kindern aber auch Erwachsenen kann es helfen, etwas Schönes zu gestalten, der Liebe und Trauer Ausdruck zu verleihen und es dann an den Gedenkort oder auf das Grab zu legen.

Bastelideen:

  • Grabkerzen können bunt verziert, bemalt oder beklebt werden. Auf der Innenseite des Deckels kann sogar eine geheime Botschaft geschrieben werden, die später durch die Flamme geschwärzt wird und damit für immer geheim bleibt.
  • Verschliessbare Gläser können mit kleinen, bedeutungsvollen Gegenständen, Briefchen oder schöner Glitzerdeko befüllt werden.
  • Steine können mit Acrylfarbe bemalt oder beschrieben werden.
  • Fotos und Zeichnungen von der Familie können wetterfest laminiert werden.

4. Verbundenheit sichtbar machen

Es kann helfen, wenn die grosse Lücke, die ein verstorbenes Kind hinterlässt, sichtbar wird. Es zeigt, dass die Familie nicht einfach Weihnachten feiert, sondern dass da eine grosse Trauer ist – und beides nebeneinander Platz haben darf. Ein Beispiel:

Der Weihnachtsbaum wird geschmückt und mit Kerzen bestückt. Danach schneiden Sie einen schönen, geschmückten Ast aus dem Baum heraus und bringen ihn auf das Grab oder an den Gedenkort. Der Ast symbolisiert, dass das verstorbene Kind an Weihnachten teilhaben darf, dass es in Gedanken auch dabei ist. Die Lücke am Weihnachtsbaum wiederum symbolisiert die grosse Lücke, die das Kind hinterlässt. Diese Symbolik verstehen auch (Geschwister-) Kinder gut.

5. Augenblicke zulassen

Die Gefühle nach einem Verlust sind oft vielfältig. Nebst Trauer, Wut und Einsamkeit dürfen sie aber auch Momente zulassen, an welchen Sie lachen, Situationen der Leichtigkeit verspüren und an etwas anderes denken als an den Verlust. Das Zulassen solcher Augenblicke und das Beisammensein der Familie oder mit Freunden können dazu beitragen, die Schwere in dieser Zeit zu ertragen.

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Anlass für Trauernde

Der Verein familientrauerbegleitung.ch lädt unter dem Motto «Für die, die mit dem Herzen sehen…» zu einer Feier für alle ein, für die das Weihnachtsfest nicht einfach ist und die einen Verlust erlitten haben. Gerade an Weihnachten vermissen wir sie besonders – die Menschen, von welchen wir uns verabschieden mussten.

Dieser Anlass richtet sich an alle, die um Menschen trauern oder einsam sind. Es werden Lieder gesungen und mit Kerzen und Geschichten erinnert man sich zusammen und stärkt sich gegenseitig.

Trauer – das müssen Sie wissen

  • Ob Eltern, Grosseltern, Geschwister oder Freunde, jeder Mensch hat seine ganz eigene Art, mit Trauer umzugehen – gerade auch an Weihnachten. Dabei gibt es kein richtig oder falsch.
  • Trauer kommt in Wellen und auch immer wieder überraschend. Trauer hat nicht ein Gesicht, sondern ist sehr vielfältig.
  • Nebst der Trauer zeigen sich auch Wut und andere Gefühle – sie dürfen ihren Platz haben.
  • Es ist auch in Ordnung, wenn eine Familie oder Person Weihnachten ausfallen lässt, sie umbenennt oder lieber verreist.
  • Es gibt mehrere Möglichkeiten, Verstorbene symbolisch an Weihnachten teilhaben zu lassen. Finden Sie heraus, was zu Ihnen und Ihrer Familie passt. 
  • Manchmal hilft es, den Weg nicht alleine zu gehen. Fragen Sie bei Bedarf um Hilfe, ein offenes Ohr oder um Unterstützung.

Wichtig für Angehörige

Bieten Sie immer und ganz besonders an den Festtagen Unterstützung an. Denken Sie daran, dass die Familie viele Gefühle durchlebt und nicht nur Besinnlichkeit.

Quellen: Yala Mona, Eltern- und Fachberatung visoparents, www.familientrauerbegleitung.ch

Unterstützung für Familien, die ein Kind verloren haben:

Selbsthilfegruppen beim Verein Regenbogen Schweiz
www.verein-regenbogen.ch

Information, Hilfe und Beratung
www.kindsverlust.ch

Familientrauerbegleitung
www.familientrauerbegleitung.ch

Hilfe für trauernde Geschwister
www.lifewith.ch

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Mit diesem Buch lernen Kinder besser mit Trauer umzugehen und die Erwachsenen lernen mit der Trauer der Kinder umzugehen.

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