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Fokus: Freizeit

«Max mag den Fahrtwind im Gesicht»

Eine Freizeitbeschäftigung zu finden, bei der Max sich selbstständig betätigen kann, ist schwierig. Bisweilen unternimmt Familie Wüthrich sportliche Ausflüge, sei das ein Besuch in der Badi, eine Velotour mit dem Tandem oder eine Ausfahrt mit dem Motorrad.

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«Max mag den
Fahrtwind im Gesicht»

Eine Freizeitbeschäftigung zu finden, bei der Max sich selbstständig betätigen kann, ist schwierig. Bisweilen unternimmt Familie Wüthrich sportliche Ausflüge, sei das ein Besuch in der Badi, eine Velotour mit dem Tandem oder eine Ausfahrt mit dem Motorrad.

Max bewegt sich grundsätzlich sehr gerne. Natürlich ist er, wie seine Brüder auch, ganz Teenager und hängt oft auf dem Sofa rum. Geht aber jemand von uns mit dem Hund raus, geht er mit. Einen Sport ausüben oder ein Hobby betreiben, das macht Max allerdings nicht, jedenfalls nicht ohne unsere Hilfe. Das sind Dinge, die mit ihm nicht so einfach umsetzbar sind.

Bei seinen Brüdern ist es viel einfacher, sie sind selbstständig und verabreden sich mit Kollegen zum Fuss- oder Basketballspielen, trainieren zweimal die Woche Badminton und gehen seit ein paar Monaten auch ins Gym. Max jedoch kann keine Sportart ohne unsere Unterstützung ausüben. Er braucht immer jemanden, der ihn hinbringt, ihm hilft, sei es beim Umziehen, beim Ausüben oder um die Sicherheit im Auge zu behalten.

Glücklich im Wasser

Müsste ich eine Sportart auswählen, die Max am liebsten mag, würde ich Schwimmen nennen. Max liebt es, sich im Wasser zu bewegen, und schwimmt am liebsten freestyle, meistens tauchend. Und leider gänzlich ohne Blick für die anderen um ihn herum. Wenn ich im Sommer mit ihm schwimmen gehe, dann muss ich neben ihm schwimmen, manchmal seine Richtung korrigieren, damit es keine
Zusammenstösse gibt, aufpassen, wenn jemand vom Beckenrand springt, der Aufsichtsperson versichern, dass es Max gut geht, auch wenn er grad mit dem Gesicht im Wasser regungslos daliegt. In der Schule darf Max jeden Freitag schwimmen gehen und alle sehen, wie viel Freude ihm das macht, und auch, dass er in kleinen Schritten selbstständiger wurde. Bald ist die Schule vorbei und wir
werden versuchen, einen passenden Schwimmkurs zu finden. Denn ohne Wasser können wir uns Max nicht vorstellen.

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Geht er mit Papa auf dem Tandem auf eine Velotour, tritt Max kräftig in die Pedale.

Leser:innen die Maxʼ Abenteuer schon länger verfolgen, erinnern sich vielleicht: Max fährt auch gerne Ski (siehe Imago 03/2021). Im vergangenen Winter war er mehrmals auf der Piste unterwegs, auch in einem Skikurs mit seinem Vater. Er kann zwischenzeitlich viel besser Parallelkurven fahren, wenn er dazu einen kleinen Impuls durch den/ die Skilehrer:in erhält. Aber er braucht eine:n Privat-Skilehrer: in oder einen entsprechenden Kurs durch Plusport. Finanzieren lässt sich das über das Weihnachts- und Geburtstagsgeld. Und wenn ich Max’ strahlendes Gesicht sehe, so ist es den ganzen Aufwand wert. Aber natürlich stellt sich auch die Frage: Wird er es schaffen, weiter genügend Fortschritte zu machen, dass auch sein Vater oder seine Brüder mit ihm auf die Piste können? Und wird er diese Möglichkeiten auch haben, wenn er in einer Institution wohnt? Diese Gedanken schieben wir so gut es geht vorerst noch zur Seite und freuen uns lieber an seinen aktuellen Fortschritten.

Gemeinsam unterwegs

Max hat auch grosse Freude am Fahrtwind im Gesicht. Und je schneller er auf einem Verkehrsmittel unterwegs ist, desto besser. Da Fahrradfahren mit dem Dreirad allerdings nur in sehr geschütztem Rahmen funktioniert (ja, auch da fehlt Max das Gefühl für Gefahren im Strassenverkehr, und Bremsen ist in seinen Augen etwas gänzlich Unnötiges), haben wir uns weitere Gedanken gemacht und sind nun mit Max auf einem Tandem unterwegs. Max tritt kräftig in die Pedale und hilft, vorwärtszukommen, je schneller, desto besser. Und wenn niemand pedalen mag, dann gibt es noch die Möglichkeit, auf eine Runde mit dem Motorrad zu gehen: Max sitzt im Seitenwagen und freut sich über jede Ausfahrt.

Aber auch da ist uns bewusst: Das geht nur mit unserer Begleitung. Und das ist wohl auch das Problem, das die allermeisten Menschen wie Max haben. Wir wissen zwar, wie wichtig Bewegung ist, wie viel Freude Sport oder auch sonst ein Hobby machen kann, und trotzdem ist es enorm schwierig, passende Zeitvertreibe zu finden, für Menschen, die diese nicht selbstständig erleben können. Dazu kommt, dass Menschen wie Max oft keine Schul- und Arbeitswege absolvieren, sondern im Bus fahren. Das ist zwar sicher, aber fördert die Bewegung auch nicht.

Wir für unseren Teil bleiben dran und hoffen auf viele gemeinsame Fahrradtouren, Motorradausfahrten und Wanderungen.

Text und Fotos: Marianne Wüthrich

Marianne-Wüthrich

Marianne Wüthrich
Autorin und Präsidentin der Stiftung visoparents

Marianne Wüthrich, Stiftungsratspräsidentin der Stiftung visoparents schreibt in dieser Kolumne über ihren Alltag mit Sohn Max (19) und ihren Zwillingen Tom und Leo (16). Max ist infolge des Charge-Syndroms mehrfach behindert und im Autismus-Spektrum.

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