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Ich bin... Assistenzperson in der Familie

Franziska Zollinger arbeitet als Assistenzperson und betreut Kinder und Jugendliche mit schwerer mehrfacher Behinderung in deren Zuhause. Damit entlastet sie die Eltern bei der Pflege, Ernährung und der Freizeitgestaltung des Kindes.

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Ich bin…
Assistenzperson in der Familie

Franziska Zollinger arbeitet als Assistenzperson und betreut Kinder und Jugendliche mit schwerer mehrfacher Behinderung in deren Zuhause. Damit entlastet sie die Eltern bei der Pflege, Ernährung und der Freizeitgestaltung des Kindes.

Franziska Zollinger, wie funktioniert das Arbeitsmodell als Assistenzperson?

Franziska Zollinger: Als Assistenzperson betreue ich die Person, welche auf Unterstützung angewiesen ist, zu Hause. In meinem Fall sind das Kinder. Die gesetzliche Vertretung der Kinder, meistens die Eltern, sind zugleich meine Arbeitgeber:innen. Damit sie eine Assistenzperson einstellen können, müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Bewilligt die IV eine Assistenz, bezahlt sie den Eltern einen Assistenzbeitrag. Ich wiederum erhalte meinen Lohn von den Eltern.

Wie kam es dazu, dass Sie als Assistenzperson arbeiten?

Ich bin gelernte Behindertenbetreuerin. Dieser Beruf entspricht der heutigen Ausbildung zur Fachfrau Betreuung für Menschen mit Beeinträchtigungen. Früher arbeitete ich hauptsächlich in Institutionen. 2022 folgte ich meinem Herzenswunsch und arbeite seither hauptberuflich als persönliche Assistenz von Kindern. Anfangs war es nicht einfach, Arbeitgeber:innen zu finden, mittlerweile arbeite ich für vier Familien.

Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei Ihnen aus?

Mein Arbeitsalltag ist sehr individuell, da jedes Kind und jede Familie unterschiedliche Bedürfnisse hat. Meist beginnt meine Arbeit nach dem Mittag, wenn die zu betreuenden Kinder von der Schule nach Hause kommen. Meistens unterstütze ich die Familien auch an Wochenenden und während der Schulferien. Ich begleite das Kind beim Essen, auch bei Sondenernährung, übernehme die Körperpflege und kümmere mich um die Freizeitgestaltung. Ebenfalls übernehme ich das Verabreichen der Medikamente, die medizinische Pflege und helfe beim Anwenden und Umsetzen von diversen therapeutischen Massnahmen, wie etwa Orthesen anziehen oder mit dem Gehtrainer laufen. Zudem helfe ich im Haushalt.

Mit welchen Herausforderungen sind Sie bei der Arbeit konfrontiert?

Ich muss sehr flexibel sein. Meine Einsatzzeiten können sich spontan ändern, etwa wenn ein Kind krank ist und nicht in die Schule gehen kann. Bei pädagogischen Herausforderungen fehlt mir manchmal der fachliche Austausch im Team. Auch gesunde Abgrenzung ist immer wieder Thema, da ich vieles so nahe mitbekomme. Eine weitere Herausforderung ist es, das Vertrauen des Kindes und der Eltern zu gewinnen, sodass die Eltern loslassen und Verantwortung abgeben können.

Interviewstafette – so funktionierts:

Kinder mit Behinderung treffen auf so manche Fachkräfte, die sie beraten und fördern. In dieser Rubrik stellen wir diese Held:innen und ihre Berufe vor. Wer interviewt wird, stellt gleich auch der nächsten Person eine Frage.

Unser letzter Interviewpartner, Dr. Föhn, möchte von Ihnen wissen, was Sie und die Kinder am liebsten zusammen spielen und unternehmen.

Eines der Kinder liebt es, mit mir ÖV zu fahren. Es entscheidet jeweils mit, wohin wir fahren und mit welchem Transportmittel. Das macht uns beiden Spass. Auch Singen, Musikmachen mit Rasseln oder Xylofon sowie sich zu Liedern bewegen bereitet vielen Kindern Freude. Und sie lieben es, wenn ich Geräusche und Tierstimmen nachahme oder wenn wir Bücher erkunden, welche verschiedene Sinne wie Seh-, Hör- und Tastsinn anregen. Ich arbeite gerne nach basaler Stimulation, also mit Kommunikation, die über verschiedene Sinne erfolgt.

Gibt es etwas, das Sie unbedingt noch sagen möchten?

Familien wissen oft nicht, dass es diese Möglichkeit der Assistenz gibt. Ich würde mir wünschen, dass Assistenz in der Öffentlichkeit bekannter wird.

Interview: Sonya Bieder
Foto: zvg

Ihre Frage an…

Tania Dunkel

Im nächsten Interview befragen wir Tania Dunkel, Fachperson Anlässe, Stiftung visoparents. Franziska Zollingers Frage an sie: «Was sind die grössten Herausforderungen bei der Organisation von inklusiven Anlässen?»

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Franziska Zollinger
Assistenzperson

Franziska Zollinger arbeitet als Assistenzperson bei Familien zu Hause.

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